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Margarete Höwische

Die Biographie der „Selmerin“ Margarete Höwische gibt einen guten Einblick in die Wirksamkeit des nationalsozialistischen Regimes auch auf dem Land. Magarete, geb. am 26.9.1885, kommt mit ihrer zweiten Heirat mit dem Altwarenhändler Karl Höwische, geb. am 11.8.1888 nach Selm, Dorf 119, heute Auf der Sagkuhl 10.
Dort befindet sich heute der einzige Stolperstein, der einem nichtjüdischen Opfer des Nationasozialismus gewidmet ist.

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Verurteilt nach dem Heimtückegesetz

Margarete als ein politisches Opfer des Regimes zu bezeichnen, fällt schwer, da sie sich selbst auch in ihrem Verhalten als unpolitisch und gläubig einstufte, aber trotzdem Opfer des sogen. Heimtückegesetzes wurde. Dieses sehr weit auszulegende Gesetz wurde am Tag von Potsdam, dem 20. 12.1933, verabschiedet und wurde auf viele scheinbare Vergehen angewendet, so auch auf eine Äußerung, die sie im Frühjahr 1942 machte. Im Rahmen einer Kleidersammlung verweigerte sie einen Beitrag zu dieser Aktion der NSDAP zu leisten, weil diese ihr Einkommen schmälern würde. In Folge dieses Zwischenfalls wurde im November 1942 ein Verfahren nach dem Heimtückegesetz gegen sie eingeleitet. Die Frau sollte sich heimtückischer Angriffe auf Staat und Partei schuldig gemacht haben. Ihre Vernehmung erfolgte zunächst in Essen, ein Sondergericht in Bielefeld verurteilte sie in Folge zu einem Jahr Haft im Gefängnis Benninghausen bei Soest. Für die Kosten im Gefängnis sowie die Gerichtsverhandlung musste sie aufkommen. 

Dieses Foto zeigt Margarete Höwische nach der Haft. Es war ihr sehr wichtig, da es die Folgen der Haft – sie hatte 70 Pfund Gewicht verloren – zeigt. Stadtarchiv Selm

Folgen der Haft und Wiedergutmachung

Nach 1945 wurde ihr Eintrag als Vorbestrafte zwar getilgt, außerdem erhielt sie einen Ausweis der Kommission für Opfer des Faschismus, aber eine finanzielle Wiedergutmachung konnte sie nicht durchsetzen. Lediglich ein Vergleich konnte erwirkt werden, indem Margarete Höwische die Kosten für den Gefängnisaufenthalt und das Gerichtsverfahren von 1942 erstattet und ein Heilverfahren zugesichert bekam. Dies mochte auch an den widersprüchlichen Aussagen von Margarete Höwische und Josef Fuhrmanns gelegen haben, denn er bezichtigte sie nach dem Krieg in einer Vernehmung politischer negativer Aussagen gegen das NS-System. 

Margarete stirbt am 9.9.1956 letztlich an den Folgen der Haft. Ihr ehemaliges Wohnhaus und der Stolperstein zeugen noch von ihr. 

 Glücklicherweise liegen uns die Vorgänge um ihr Leben sehr gut dokumentiert vor. Sowohl im Stadtarchiv Selm in Form der Meldekarte, als auch in Form einer Dokumentensammlung, die ihr Enkel Karl Domgörgen der Stadt zur Verfügung gestellt hat. Hierbei befindet sich auch ihr Personalausweis PA VI 703969 b. 

Das Wohnhaus von Margarete Höwische Christiane Damberg

Quellen, Literatur und weiterführende Links

Dokumentensammlung Margarete Höwische, Stadtarchiv Selm (Noch nicht inventarisiert)